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Nach der Schuld des Verbrechens darf nicht die Schuld des Vergessens folgen!

Kleines Bild zum Beitrag …müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Die doppelte Schuld? Nach der Schuld des Verbrechens darf nicht die Schuld des Vergessens folgen. Die „Verlierer“ schreiben noch immer die Geschichte Kärntens. Was geschehen ist, ist geschehen. Das es geschehen ist und wie es geschehen ist, das werden wir nicht hinnehmen und auch nicht vergessen. Das war die Kernaussage von Primo Levi, einem Italiener im italienischen Widerstand und bei der Buchpräsentation am 14. Dezember 2011 von Pädagogen Univ. Prof. Dr. Peter Gstettner und Historiker Univ. Doz. Dr. Wilhelm Baum zu den neu veröffentlichten Büchern: „Erinnern an das Vergessen – Gedenkstättenpädagogik und Bildungspolitik“ und „Auf Wiedersehen über den Sternen! Na svidenje nad zvezdami“, dargestellt. Die neueste Ausgabe von Peter Gstettner wird mit einem sinnentsprechenden Foto eines umgefallenen und überwachsenen Kamins dargestellt, das zugleich die Zerbrechlichkeit des Aufbewahres symbolisiert. Gstettner wörtlich: „nach der Schuld des Verbrechens dürfen wir uns nicht noch die Schuld des Vergessens aufbürden“. Es ist zugleich das erste Buch zur Gedenkstättenpädagogik in Österreich, in Deutschland gibt es dazu allerdings schon eine 20-jährige Tradition. Gstettner spricht auch von einer „ verschlampten Geschichte und einer fehlenden politischen Bildung in diesem Land“ zumal noch immer die „Verlierer in diesem Land die Geschichte schreiben und nicht die stummen Opfer“. Wilhelm Baum aber veröffentlicht in seinem neuesten Buch: Auf Wiedersehen über den Sternen! Briefe aus Widerstand und Verfolgung unter dem NS-Regime in Kärnten, viele davon waren die letzten Abschiedsbriefe an die Verwandten und Eltern, wie der von Ivan Dovjak an seine Frau Pepca: „ …Sei stark und erschrecke dich nicht! Dieser Brief ist mein letzter. Ich muss heute nach langen Qualen sterben. Im Geiste umarmt dich und küsst dich dein, nur dein, Ivan.“

Einladung
Zum Vortrag und Gespräch:
EIN THEOLOGE ZWISCHEN DEN STÜHLEN – DIETER BONHOEFFER

In Zeiten des Umbruchs und der Diktatur ist Kirche und Theologie besonders gefordert - Stellung zu beziehen und die Stimme zu erheben gegen Unrecht und Verfolgung, oder die eigenen Positionen gegen Verfolgung und Unterwanderung zu sichern und zu bewahren. Bonhoeffer hat als Theologe der "Bekennenden Kirche" den unbequemen Weg gewählt - und den der Glaubwürdigkeit des Evangeliums. Diesen Lebensweg und die Theologie Bonhoeffers darzustellen und mit den Fragen unserer Zeit zu verbinden und zu diskutieren, ist Ziel des Abends.

Mit Powerpointpräsentation: " Von Guten Mächten" - Dietrich Bonhoeffer im 3. Reich. Das kurze, aber vorbildhafte Wirken eines Christen vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus

Zeit: am Donnerstag, dem 19. Jänner 2012, um 19:00 Uhr im Kath. Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje

Begrüßung: Martin Pandel, Sodalitas-Bildungsferent
Einleitung und Abschlussgedanken: Mag. Martin Müller, Leiter der Evang. Akademie Kärnten
Referat: Dieter Mann aus Lukowitz/Koviče
Diskussionsleitung : Vinzenz Jobst, Memorial Kärnten/Koroška
Mitveranstalter: Evangelische Akademie Kärntens

WER BIN ICH?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich trete aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Dieses Gedicht schrieb Dietrich Bonhoeffer im Militärgefängnis Berlin-Tegel und legte es einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge am 8. Juli 1944 bei.

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